sinn-haft

[Presentation: sinnhaft nr. 21 / Alpine Avantgarden und urbane Alpen]

Kommt doch zur Praesentation im Rahmen des "alpine club" im Wiener WUK am 1. November:

20.00: Wortreiches zum Themenheft
21.00: Film: "Der weisse Rausch" (A. Franck 1931), sound: decon.txt
danach: la musique electronique
dexter s.
flakez
frame
& tapiresque (Rupert's Jazz Construction)

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Inhaltsverzeichnis des Heftes: Please scroll down a bit!

[sinnhaft 21. Alpine Avantgarden und urbane Alpen]

erschienen, erhältlich im Buchhandel mit der ISBN Nr. 978-3854094906

Der Kulturraum der Alpen ist in den letzten Jahrzehnten vielfach aus dem Blickwinkel der Kulturanthropologie beforscht worden. Im Zentrum der aktuellen sinnhaft sollen jedoch nicht Aspekte des Brauchtums stehen, sondern vielmehr die Technisierung und Medialisierung der Alpen im 20. und 21. Jahrhundert und damit nicht nur der geographische, sondern auch der imaginäre Ort der Alpen.Seit dem 19. Jahrhundert wurden die Alpen wissenschaftlich und technisch erschlossen: Es wurde kartographiert und vermessen, Eisenbahnlinien, Staudämme und Kraftwerken, Seilbahnen und Observatorien wurden gebaut. Diese Tätigkeiten transformierten die vormals unzugängliche Berglandschaft in einen Raum, der für gestalterische Eingriffe des Menschen verfügbar war. Es entstand ein geographischer und imaginärer Ort, an dem das Verhältnis von Natur und Technik bzw. Natur und Kultur neu auszuhandeln war. Die Speerspitzen des technischen Fortschritts, so könnte man sagen, erzeugten in ihrem Fahrwasser jene ‚Natürlichkeit’, in der sich die StädterInnen und TouristInnen dann versenken konnten. Die Idealisierung der alpinen Natur war oft - gewollt oder ungewollt - mit einem medientechnischen und künstlerischen Avantgardismus verbunden.
Das Anfang 2008 erscheinende Heft macht es sich zur Aufgabe, einige Elemente eines solchen ‚Avantgardismus’ herauszuarbeiten. Es werden einerseits jene Strukturen herausarbeitet, über die das Imaginäre der Alpen mit den künstlerischen Avantgarden verbunden ist und andererseits danach gefragt, inwieweit sich eine Kontinuität ‚alpiner Avantgarden’, die technisch-ästhetischen Fortschrittsgeist und weltanschaulichen Konservatismus vereinen, feststellen lässt - bis hin zu Stoibers prägnantem Slogan von ‚Laptop und Lederhose’. Neben diesen alpinen Moden und Modernen der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit lässt sich nämlich in den letzten Jahren eine neuerliche ‚vague alpine’ beobachten. Im sportlichen und touristischen Kontext ist eine immer stärkere ‚Urbanisierung’ der Alpen und eine hartnäckige ‚Alpinisierung’ des urbanen Raums festzustellen: Es entstehen Bergfilmfestivals und Kletterhallen in Großstädten, die von den geographischen Alpen weit entfernt sind, sowie ‚alpine’ Architektur- und Kleidungsstile, die eine angebliche ‚Tradition’ wieder aufleben lassen sollen und gerade auch in städtischen Milieus ‚hip’ geworden sind. Gleichzeitig werden die (ruralen) Alpen von urbaner Eventkultur heimgesucht: Nicht nur das Phänomen der Snowboardkultur, sondern auch Technoparties auf italienischen Berggipfeln sind Teil davon.

Inhaltsverzeichnis:

Karin S. Wozonig
Wie die Eleganz nach Ischl kam und von dort aus weiterzog. Erzählt von Betty Paoli

Kerwin Lee Klein
Into the Steep. The Ostalpen and the Culture of Modern Alpinism, 1880-1939

Wolfgang Fichna
Eiger revisited

Barbara Eder
'Land der Berge, Land am Strome. Über den Großglockner, das Alpine und einige andere unheimliche Abziehbilder österreichischer Naturschönheiten'

Michael Zinganel
Alpine Wucherungen. Stil als radikale Affirmation projizierter Markterfordernis

Michael Hieslmair
Saisonopening. Arbeitsmigration im alpinen Tourismus

Peter Spillmann
Der Glamour von St.Moritz oder: Das Setting Schweiz im globalisierten Tourismus

Marie Yazdanpanah, Julia Friehs und Daniel Winkler
Alpine Medienavantgarde? Luis Trenker, der John Wayne der Dolomiten

Elke Sodin, Renate und Veronika Wöhrer
Von Pilgern und Pülchern. Wallfahrten im Spannungsfeld von Naturerlebnis und urbanen Konstruktionen

Gudrun Hausegger
Weltkurort Zermatt. Alpines Fallbeispiel einer "konservierenden" Inszenierung

Kristian Faschingeder
" ...da keine Großstadt der Welt eine ähnliche Aussichtsstraße aufzuweisen vermag". Die Wiener Höhenstraße

außerdem: Rezensionen und Filmkritiken

[CfP sinnhaft 22: Strategien des Entziehens]

Sag alles ab
Geh einfach weg
Halt die Maschine an
und Frag nicht nach dem Zweck
Tocotronic (2007)

Die Wahrnehmung von Handlungsspielraeumen steht aktuell haeufig unter dem Eindruck einer Restlosigkeit (Markus Krajewski ueber Weltprojekte um 1900). Das gilt nicht nur fuer individuelle Lebensentwuerfe, sondern auch fuer politisches Agieren, oekonomisches und oekologisches Handeln und hat unter anderem mit dem Ende der Polaritaeten des Kalten Krieges und dem Wegfall eines geopolitisch anderen Raums zu tun. Das diffuse Wissen darueber, dass alles mit allem zusammenhaengt, das nicht zuletzt ueber Phantasmen der Globalisierung praesent gehalten wird, verstaerkt diese Wahrnehmung noch. Klassische Formen von Utopien scheinen ausgeschoepft, residuelle Orte und gesellschaftliche Nischen werden zunehmend enger und rarer. Denn wo sollte in Zeiten der Restlosigkeit ein halbwegs bestaendiger Nicht-Ort sein? Strategien der Subversion (kuenstlerische, lebensweltliche, politische) werden zudem, kaum dass neue Formen erfunden sind, neoliberal kolonisiert und zu Marketingstrategien. Die Stoerung (einst Hoffnungstraegerin der ludditischen Opposition, der Marxschen Maschinenstuermer) ist Teil des Systems und die weltumspannende Vernetzung als kommunikative Utopie hat ihr revolutionaeres Potential verloren.

Bartleby, Hermann Melvilles hoeflicher Anti-Aktivist, der aus einem Schreibbuero seine Wohnung macht und schliesslich auch das Schreiben verweigert, wird damit zum Modellfall einer Form von Widerstand, der sich nicht in Dynamik und Aktion, sondern in Reaktion und Rueckzug ausdrueckt. An die Stelle des nach aussen gerichteten Auftritts tritt die innere Einkehr, hier in Form einer zunehmenden Abkehr von sozialem und Arbeitsleben, das schliesslich mit der Verweigerung der Nahrungsaufnahme letal endet.

Der Rueckzug als Antwort auf repressive politische Systeme (Stichwort Biedermeier) ist bekannt, aber welche Funktion hat der Entzug der Produktivkraft, von der Nicht-Artikulation einer freien Meinung ueber die Arbeitsanstellung und -leistung bis hin zur Reproduktion, in einem liberalen, demokratischen Gefuege, das eher ein zuviel als ein zu wenig an Optionen bietet? Anders gefragt: Bietet die gegenwaertige (post)buergerliche Welt tatsaechlich so viele Optionen, dass sie zu institutionellem Opportunismus und Biedermeier verfuehrt? Inwieweit laesst sich in Zeiten der Globalisierung ueberhaupt noch von einem liberalen, demokratischen Gefuege sprechen, das in klarer Opposition zu repressiven Systemen steht? Wo und inwieweit ist es moeglich, sich dieser Art der Regulierung zu entziehen? Und wie steht es mit dem Sich-Entziehen seitens des Staates und der Wirtschaft und dem Rueckbau des oeffentlichen Raumes und staatlicher Leistungen?

Wir fragen nach historischen wie aktuellen Auspraegungen der Figur des Entziehens, sowohl in der Popularkultur als auch in der Theorie; nach Logiken, Techniken und Wissensformen des Entziehens; nach den Chancen und Problemen der Figur als Orientierungsmarke des Agierens; nach ihren gesellschaftlich-emanzipativen sowie psychisch-regressiven Seiten; nach ihren transgressiven wie traumatisierenden Effekten.

Artikelvorschlaege (Titel und halbseitiges Abstract) oder Vorschlaege fuer kuenstlerische Beitraege (Texte, Bilder) erbitten wir bis 15. August 2008 an die Redaktion: redaktion(AT)sinnhaft.at. Die fertigen Beitraege sollten bis 31. Oktober vorliegen

Erscheinungstermin: Mai 2009

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sinnhaft 21. Alpine Avantgarden und urbane Alpen:
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CfP sinnhaft 22: Strategien des Entziehens:
Sag alles ab Geh einfach weg Halt die Maschine an und Frag nicht nach dem... mehr

frisch erschienen: sinn-haft nr. 20. City Contest. Neuformulierungen des urbanen Raums:
out now! Ab sofort um Euro 10 im Buchhandel erhältlich U-Bahnanschluss mit Alpenblick Unter diesem... mehr

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